Kölner Architekturpreis: Spiegel von Stadtenwicklung

Am vergangenen Freitag wurde zum 13. Mal der Kölner Architekturpreis verliehen und das im fünfzigsten Jahr seines Bestehens. Die Preisverleihung fand im Kölner Kunstverein statt, dem ehemaligen Britischen Kulturinstitut – „Die Brücke“ – einem der ersten Neubauten in der Domstadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Errichtet vom Kölner Architekt Wilhelm Riphahn zusammen mit einer eleganten Ladenzeile an der Hahnenstraße. Das Gebäude wurde mit dem 1. Kap im Jahr 1967 ausgezeichnet. Der richtige Ort also um auch auf fünfzig Jahre Kölner Architekturpreis zurückzublicken.

Der Kölner Architekturpreis (KAP) ist einer der ältesten Architekturpreise in Deutschland. Anders als seine Vorläufer wollten die Gründungsväter des KAP mit dem Preis nicht eine Lebensleistung würdigen, sondern ein einzelnes Bauprojekt in den Focus der Betrachtung stellen. In dem Exemplarischen sahen sie vermutlich die größte Chance, Qualitäten auszumachen und zu veranschaulichen und die jeweilige Bedeutung eines Baus für den lokalen Kontext zu verdeutlichen. Sie wollten damit Anreize schaffen für Qualität in Architektur und Städtebau – und zur Nachahmung anregen. Daher werden neben den Architekten, Stadt- und Landschaftsplanern auch immer die Bauherren mit ausgezeichnet. Eine ganze Reihe aktueller Architekturpreise prämieren heute einzelne Bauvorhaben. Der KAP war der erste Deutsche Architekturpreis der diesen Schwerpunkt setzte.

Verweise auf wichtige Momente der deutsche Architekturgeschichte

Im Rückblick ist es interessant zu sehen, welche Bauten in Köln ausgezeichnet wurden, welche auch keine Würdigung erhielten, uns aber heute als bedeutend erscheinen. Heute sagen die Auszeichnungen viel aus über die jeweiligen Herausforderungen in der Stadtentwicklung, die wichtigsten Bauaufgaben, sie spiegeln aber auch den ästhetischen Wandel in der Gestaltung über die Jahrzehnte. Eine ganze Reihe der mit dem KAP ausgezeichneten Bauten verweisen heute auf wichtige Entwicklungen in der deutschen Architekturgeschichte der letzten fünfzig Jahre.

So ist es spannend auf die Auszeichnungen des 13. KAP zu schauen. 95 Projekte wurden eingereicht. Die Jury unter dem Vorsitz des Berliner Architekten Volker Staab vergab fünf Auszeichnungen und acht Anerkennungen. Dabei traf die Jury eine geschickte Auswahl und vergab Prämierungen in fast allen wichtigen Bauaufgaben: Wohnungsbau, Bildungsbauten, Forschungseinrichtungen, Umbau/Sanierung, Städtebau- und Landschaftsplanung sowie für temporäre Projekte. Lediglich im Bereich der Verwaltungs- und Bürogebäude fand keine der Einreichungen eine Würdigung.

Kölner Architekturpreis zeigt Entwicklungen beim Wohnen

Traditionsgemäß werden beim KAP am meisten Wohnungsbauten eingereicht vom privaten Einfamilienhaus bis zum Massenwohnungsbau. Vor allem in den KAP-Preisen nach der Jahrtausendwende spielt der mehrgeschossige Wohnungsbau wieder eine wichtige Rolle und signalisiert den deutlichen Trend, dass die Stadt und insbesondere deren Kernbereiche wieder als Wohnorte für alle Schichten der Bevölkerung begehrt sind. Zwei der Auszeichnungen 2017 verweisen auf den enormen Druck, der mittlerweile in den Städten herrscht auf der Suche nach Baugrund: Eine Auszeichnung erhielt eine drei Meter breite Lückenschließung in einer denkmalgeschützten Häuserzeile. Entstanden sind lediglich 80 qm Wohnraum, „tatsächlich aber ein eindrucksvolles Raumvolumen.“ – wie die Jury hervorhob. Eine Anerkennung ging an die Aufstockung eines Parkhauses, Magnus 31.  Hier wurden die drei oberen Etagen trister Parkraum in Wohnraum umgewandelt.

 

„Keine weitere Containerwut“.

aus der Begründigung der Jury zur Flüchtlingsunterkunft

 

Eine Anerkennung erhielt eine Flüchtlingsunterkunft. Die Jury lobte: „… keine weitere Containerwut – nein einfach, wiederholbar, adaptierbar – klug gebaut.“ Dieses Projekt wird sicher einmal in die Geschichte des KAP als ein Zeitzeugnis für eine besondere Herausforderung in der deutschen Geschichte eingehen. Vermutlich wird die jetzt bewertete architektonische Lösung dabei in den Hintergrund treten.

Domplatte – Ergbnis eines Wettbewerbs, aber nie KAP-Träger

Einen Wandel in der Bewertung spiegelt auch die Anerkennung, die an die Neuordnung der östlichen Domumgebung ging. „Zu den größten Verheerungen der Nachkriegszeit gehört die Kölner Domplatte. Das Städtebau aber auch heilsam sein kann, beweisen die so behutsame wie präzisen Eingriffe in die östlich Domumgebung“, äußerte die Jury in ihrer Begründung. Die Domplatte war 1954 aus einem internationalen Wettbewerb hervorgegangen und galt in ihrer Zeit als eine zukunftsweisende, zeitgemäße städtebauliche Lösung. Der damals postulierte Anspruch, vor allem eine für den Autoverkehr optimale Straßenführung zu schaffen, führte langfristig zu verwahrlosten Stadträumen. Heutige Anforderungen an den öffentlichen Raum räumen nicht mehr dem Auto die oberste Priorität ein,  sondern Aspekten der Sicherheit und der Aufenthaltsqualität der Bürger. Es ist also spannenden zu sehen, wie städtebauliche Lösungen, aber auch einzelne Bauwerke über die Zeit ihren Ansprüchen gerecht werden oder auch nicht und wie sich ihre Bewertungen verändern. Auszeichnungen schärfen den Blick auch auf diesen geschichtlichen Wandel.

Es sei aber nicht verschwiegen, dass die Domplatte nie mit dem KAP ausgezeichnet wurde. Die Juroren des KAP wohl stets eine kluge Auswahl getroffen haben. Das wünschen wir dem KAP auch für die kommenden fünfzig Jahre. Denn der Kölner Architekturpreis ist das bauliche Gedächtnis der Stadt!

 

Text: Ursula Kleefisch-Jobst / Foto: Übergangswohnheim für Flüchtlinge; Architekten: pagelhenn architektinnenarchitekt, BDA, BDIA; Bauherr: Amt für Wohnungswesen der Stadt Köln