„Kirchen sind besondere Orte“: Diskussion zum Umgang mit sakralen Bauwerken

Restaurant, Autowerkstatt, Büro, Wohnung: Wenn Kirchen leer stehen, gibt es viele mögliche Nutzungen. Wie sich mit Kirchengebäuden umgehen lässt, war Thema der Bochumer Stadtgespräche „Kirchen schaffen neuen Raum“ im Q1 in Bochum.

Kirchen sind besondere Orte – das machte Dr. Stefan Krämer, stellvertretender Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung, gleich zu Beginn seines Vortrags deutlich. Sie sind besonders – auch für Menschen, die nicht religiös sind. Krämer beschrieb sie als Räume außerhalb des Alltags, mit Bedeutung für unsere Kultur und Identität. Daran schloss sich mit Blick auf den zunehmenden Leerstand die Frage an: „Was machen wir mit den Kirchen?“. Dies war zugleich die zentrale Frage, die das Bochumer Stadtgespräch am 4. Oktober bestimmte. Eingeladen hatten dazu die Stadt Bochum, die Hochschule Bochum, BDA, BDB, sowie das M:AI NRW.

Anregung über neue Nutzungen von Kirchen nachzudenken, gab es für die rund 60 Besucher in verschiedener Weisen. Einerseits zeigte die Wüstenrot Stiftung eine Ausstellung – die Ergebnisse ihres bundesweiten Wettbewerbs „Kirchengebäude und ihre Zukunft. Sanierung – Umbau – Umnutzung“, bei dem das Stadtteilzentrum Q1 einen Preis verliehen bekommen hat (neben der Heilig-Geist-Kirche in Olpe). Anhand von 20 Kirchengebäuden wurden Strategien und bauliche Lösungen deutlich. Gemeinden bauten ihre Gebäude um, verkleinerten oder ergänzten sie – kombiniert mit unterschiedlichen, zum Teil neuen Nutzungen.

Die Nutzung von Kirchen für Kulturangebote ist begrenzt

Andererseits stellten, neben einem Impuls von Dr. Niels Leber, Referent des Stadtbaurates der Stadt Bochum, Vertreter aus Bochum exemplarisch Wege für Kirchen vor: Pfarrer Thomas Wessel (Kirche der Kulturen, Christuskirche Bochum), Pfarrer Holger Nollmann (Q1 – Eins im Quartier Bochum) und Ingrid Hardes (K.I.C.K. Kunst in Christ König Bochum) zeigten unterschiedliche Perspektiven im Umgang mit Kirchengebäuden. Trotz der Möglichkeit, in Kirchengebäuden Konzerte und Theater zu spielen oder Kunst zu zeigen, ist die Nutzung für Kulturangebote begrenzt. Nicht aus jeder Kirche lässt sich sinnvollerweise ein Veranstaltungsort machen. Das Stadtteilzentrum Q1 offenbart dabei eine weitere Option, bei der Anwohner und Gemeindemitglieder zusammenfinden können.

Die große Welle der Schließung kommt noch

In der anschließenden Diskussion wurde mehreres deutlich: Die große Wellen von Schließungen kommt erst noch, wie Moderator Uwe Langer vom Amt für Stadtplanung und Wohnen der Stadt Bochum prognostizierte. Eine Besucherin aus Gelsenkirchen hielt fest, dass auf ihre Stadt mit vielen leerstehenden Kirchen eine enorme Aufgabe wartet. Stefan Krämer äußerte als Wissenschaftler Unverständnis darüber, dass die Kirchen das Thema nicht strategisch angingen und den Gemeinden zu wenig helfen würden. Sein Fazit: Es wird zu spät gehandelt und reagiert.

Was oft vergessen wird (oder unterschlagen): Kirchengebäude sind nicht nur Immobilien, sie haben große Bedeutung für Menschen – auch über das Spirituelle hinaus. Sie sind mitunter kunstvolle, architektonische Bauwerke, die Besucher ins Staunen versetzen. Aus einer anderen Perspektive sind sie ebenfalls wichtig für einen Stadtteil: als Treffpunkt und Ort der Kommunikation sowie als soziales Zentrum des so oft beschworenen Quartiers. Nimmt man die Entwicklung des Quartiers wirklich ernst, sollte man sich genau aus diesem Grund umsichtig und frühzeitig um den Umgang mit Kirchengebäuden kümmern. Denn: Kirchen sind besondere Orte.

 

Text: Timo Klippstein / Fotos: Klippstein, M:AI