Was haben „lokale Effekte der Globalisierung“ mit Ihrem Frühstück zu tun?

Die Ausstellung „Planetary Urbanism + Learning City Gelsenkirchen“ beschäftigt sich in sechs Themenbereichen mit globalen Hausforderungen der Verstädterung. Bis zur Ausstellungszeit vom 23.11. bis 16 12.2017 stellen wir die einzelnen Themen im Blog des M:AI näher vor. In Teil 1 der Serie geht es um die Frage: Was haben „lokale Effekte der Globalisierung“ mit Ihrem Frühstück zu tun?
Wenn Sie in Europa leben, ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie heute Morgen eine Portion von den 60 Kilogramm Palmöl zum Frühstück hatten, die der durchschnittliche EU-Bürger im Jahr konsumiert. Das stellt der Ausstellungsbeitrag „The Promised Land“ von Ira Leifried und Louisa Höppner, Studentinnen der TU Braunschweig, dar. (Abbildung Arch+, Planetary Urbanism, S.44). Sie haben Palmöl auf oder in Ihrem Butterbrot gegessen, sich damit eingecremt, Ihre Wäsche damit gewaschen oder Ihr Auto damit getankt.

Palmöl: viel Ertrag, viel Abholzung

Das ist effizient, denn Palmöl lässt sich, verglichen mit anderen Pflanzenölen, sehr ertragreich auf geringer Fläche anbauen. Es ist ebenso wahrscheinlich, dass dieses Palmöl aus Malaysia oder Indonesien stammt, wie 85 Prozent der weltweiten Herstellung. Dort hat Ihr Frühstück große Auswirkungen. Und nicht nur dort: Einerseits verhilft es diesen Ländern zu enorm wachsendem Wohlstand, andererseits trägt es damit zur Abholzung des weltklimatisch wichtigen Regenwaldes bei. Und diese wiederum treibt an ganz anderen Orten der Erde unter anderem den Klimawandel voran, mit den Folgen wie Erderwärmung, dem steigenden Meeresspiegel, Umweltkatastrophen oder Klimaflucht. Dennoch stellt der WWF fest: Kein Palmöl ist auch keine Lösung, denn es durch andere Pflanzenöle zu ersetzen, hätte noch verheerendere Folgen. Ein Dilemma zum Frühstück.

Schwer zu verdauen – lokale Effekte der Globalisierung

Damit wollen wir Ihnen nicht den Appetit verderben, sondern auf „Lokale Effekte der Globalisierung““ hinweisen, eines von sechs Themen der Ausstellung „Planetary Urbanism + Learning City Gelsenkirchen„, die am Donnerstag, 23. November 2017 im Wissenschaftspark Gelsenkirchen eröffnet wird. Die Ausstellung beschäftigt sich mit globalen Herausforderungen der Verstädterung. Viele Phänomene, die das Leben in Städten derzeit beeinflussen, zeigen zunächst lokale Auswirkungen. Zum Beispiel Wanderungsbewegungen und Umweltverschmutzung. Oder die zunehmende Verdichtung an zentralen Orten sowie das Wachstum von Orten bei der gleichzeitigen Schrumpfung anderer.

Doch aus größerem Abstand betrachtet, lassen sich die Phänomene weltweit vorfinden, sie zeigen Zusammenhänge auf und lassen Rückschlüsse auf Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Ökologie zu. Diese Sichtweise verdeutlicht, dass sich Städte im Wandel befinden und ihre Bedeutung – analog zur wachsenden Stadtbevölkerung – weiter zunimmt. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich der im Wissenschaftspark ausgestellte Beitrag „The Promised Land“ mit den Auswirkungen von Palmölproduktion – und bietet auch einen Lösungsvorschlag an, damit Sie Ihr Frühstück zukünftig wieder bedenkenlos genießen können.

 

Text: Anna Scheurer / Grafik: Projektbeitrag von Ira Leifried und Louisa Höppner in: ARCH+, Planetary Urbanism – The Transformative Power of Cities

 

Weitere Informationen

Ein kurzes Erklär-Video zu den Auswirkungen der Nutzung von Palmöl gibt es beim BR:

> Mehr Informationen zum Ausstellungsprojekt Planetary Urbanism + Learning City Gelsenkirchen