Die Galerie Schmela in Düsseldorf: das Mekka der internationalen und rheinischen Nachkriegsavantgarde

Am 23. November 2018 wäre der Galerist Alfred Schmela 100 Jahre alt geworden. Schmela war ein Pionier der rheinländischen Kunstszene und seine Galerie in der Düsseldorfer Innenstadt ist ein prägnantes Beispiel für die Nachkriegsarchitektur in Deutschland. Eine Ausstellung der Kunstsammlungen NRW widmet sich nun Alfred Schmela. Ursula Kleefisch-Jobst blickt dazu im Blog auf das Schmela-Haus.

Bevor Alfred Schmela in einer herausragenden Nachkriegsarchitektur Kunst zeigte, war der Ausstellungsort des Galeristen etwas gewöhnlicher – ein Ladenlokal in der Düsseldorfer Altstadt. Dort stellte ab 1956 und ab 1971 in einem eigenen Galeriehaus in der heutigen Mutter-Ey-Straße 3 die Avantgarde der 1960er und -70er aus. Schmela  bot nicht nur den jungen Wilden der Düsseldorfer Kunstakademie wie Josef Beuys, Gerhard Richter, Konrad Klapheck und Jörg Immendorf eine Bühne, sondern auch vielen internationalen Künstlern unter anderem Jean Tinguely, Lucio Fontana, Robert Filliou oder Gordon Matta-Clark. In diesen Jahrzehnten wurde die Kunst für die junge Bundesrepublik zu einem Türöffner, um nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Anschluss an die internationale Welt zu finden und sich vor allem westlich zu orientieren. Schmela leistete dazu nicht nur einen Beitrag im Bereich der bildenden Kunst, sondern auch in der Architektur.

Ein Beispiel der Nachkriegsarchitektur in Deutschland mit seinen internationalen Einflüssen: das Schmela-Haus von außen. Foto: © Peter Breuer.

Ein Beispiel der Nachkriegsarchitektur in Deutschland mit seinen internationalen Einflüssen: das Schmela-Haus von außen. Foto: © Peter Breuer.

Internationaler Einfluss: Galeriegebäude von Aldo van Eyck

Das viergeschossige Wohn- und Galeriegebäude in der Düsseldorfer Innenstadt wurde zwischen 1967 und 1971 nach Plänen des niederländischen Architekten Aldo van Eyck erbaut. Van Eyck war, neben Alison und Peter Smithson, Georges Candilis, Shadrach Woods und Jacob Bakema, Gründungsmitglied von “Team X”. Diese 1959 gegründete Architektengruppe begehrte gegen die klassischen Moderne und die Ideale der „funktionalen Stadt“ auf. Sie plädierten für eine stärkere Körperlichkeit der Bauten und bevorzugten raue Materialien. Nicht die Gestalt der Gesamtform sollte die einzelnen Gebäudeteile beherrschen, sondern die Grundstruktur sollte sich aus den spezifischen Teilbereichen ergeben. Genau diese Haltung spiegelt der kleine Galeriebau in Düsseldorf wider.

 

Aufnahme des Schmela-Hauses, circa von 1971. Foto: Aufnahme des Schmela-Hauses von circa 1971. Foto: © Brigitte Hellgoth.

Aufnahme des Schmela-Hauses, circa von 1971. Foto: Aufnahme des Schmela-Hauses von circa 1971. Foto: © Brigitte Hellgoth.

 

Homogene Wirkung der Fassade

Die Fassade des schmalen Hauses ist geprägt durch die flächige Verkleidung der Stahlbetonkonstruktion mit Sichtmauerwerk, das sich auch als Oberflächenmaterial im Innern findet. Der verwendete Stein aus grobporigem Beton unterscheidet sich farblich kaum von der flächenbündigen Verfugung, was die homogene Wirkung der Fassade unterstützt. Umso stärker treten die wenigen Öffnungen in der Fassade hervor. Der Eingang und die ehemalige Durchfahrt zum Hof im Erdgeschoss sowie eine Loggia im ersten Obergeschoss und der schmale Schlitz des über zwei Geschosse geöffneten Nebeneingangs an der linken Hauskante sind jeweils von einem Betonsturz überfangen. Sie geben den Blick frei auf Glaskörper, die das Gebäude hinter der Fassadenebene zu durchdringen scheinen. Zum Dach hin löst sich der Baukörper zunehmend in plastische Elemente, Terrassen und Rücksprünge auf.

Großzügige Durchblicke im Innern

Im Innern sind die Galerie-Ebenen im Keller und die beiden unteren Etagen mittels großzügiger Durchblicke miteinander verbunden und es entsteht abwechslungsreiches Raumgefüge. Die Familienwohnung des Galeristen in den beiden Obergeschossen eröffnet versteckte Ausblicke in die Umgebung.

Aldo van Eyck inszeniert in dem kleinen Bau ein spannungsvolles Verhältnis zwischen der Massivität des geometrischen Baukörpers und plastischen Öffnungen, die Innen und Außen mit einander in Verbindung setzen. Das kleine Galeriegebäude in Düsseldorf zählt heute zu den wichtigen Bauten, die in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg von ausländischen Architekten in Deutschland gebaut wurden.

Der Blick ins Innere des Schmela-Hauses. Foto: © Achim Kukulies.

Der Blick ins Innere des Schmela-Hauses. Foto: © Achim Kukulies.

 

Nachkriegsarchitektur als Thema von Ausstellungen

Das M:AI NRW beschäftigt sich aktuell ebenfalls mit der Nachkriegsmoderne und ihren internationalen Bezügen in seiner Ausstellung „Modern gedacht! Symbole der Nachkriegsarchitektur“. Noch bis Freitag ist sie im Technischen Rathaus in Bochum zu sehen, Eintritt frei.
Die Bedeutung der internationalen Einflüsse auf die Entwicklung der Nachkriegsarchitektur war bereits 2009 ein Thema für das M:AI – damals war das Schmela-Haus ein Teil der Ausstellung „Architektur im Aufbruch“. Denn es waren vor allem Skandinavier und Niederländer, die in den 1960er Jahren als erste wieder in der Bundesrepublik bauten.

Passend dazu zeigt ab der kommenden Woche (ab 24. November) die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zum 100. Geburtstag von Alfred Schmela eine Ausstellung, die das weit verzweigte Netzwerk dieses Wegbereiter der avangardistischen Kunstszene im Rheinland sichtbar macht.

Text: Dr. Ursula Kleefisch-Jobst, Geschäftsführende Generalkuratorin des M:AI NRW.

 

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