„Fluch und Segen. Kirchen der Moderne“ in Köln eröffnet

Das M:AI – Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW hat am Sonntag, 8. September, die Ausstellung „Fluch und Segen. Kirchen der Moderne“ in St. Gertrud in Köln eröffnet. Themen der Ausstellung sind die Bedeutung von Kirchenbauten und der bauliche Umgang mit diesen außergewöhnlichen Räumen – angesichts der zunehmenden Leerstände. Zu sehen ist „Fluch und Segen“ von 9. September bis 10. November 2019.

In einer spektakulären Ausstellungsinszenierung (Agentur simple) wird mit Licht sowie Projektionen von Text und Grafik der Kirchenraum von St. Gertrud bespielt: Diese Impulse heben das Besondere von Kirchenräumen hervor, wie in St. Gertrud zum Beispiel die gefaltete Decke. Darüber hinaus erläutert die Ausstellung die Bedeutung des modernen Kirchenbaus aus dem zeitgeschicht-lichen Kontext heraus. St. Gertrud, entworfen von Gottfried Böhm im Jahr 1962, steht in der Ausstellung stellvertretend für viele Kirchen der Nachkriegsmoderne und ist dabei selbst das größte Exponat.

Das M:AI betrachtet im ersten Teil der Ausstellung wichtige liturgische Bereiche wie den Gemeinderaum und den Altarbereich. Außerdem erläutert es, wie dort liturgische Funktion und theologische Aussage die spezifische Raumgestalt geprägt haben. Kirchen sind Gebäude für den Ritus, aber auch gebaute Theologie. Das war zu allen Zeiten eine besondere gestalterische Herausforderung für Architekten. Der zweite Teil der Ausstellung veranschaulicht an rund 20 aktuellen Projekten in Text und Bild gelungene Konzepte für die Umgestaltung von Kirchengebäuden für andere Nutzungen. Dabei wird zum einen der Umgang mit dem Gebäude im Stadtraum betrachtet und zum anderen mit dem spezifischen Kircheninnenraum.

Zu der Ausstellung hat das M:AI ein 72-seitiges Buch konzipiert, das integraler Bestandteil von „Fluch und Segen“ ist. Das Buch vertieft mittels Text und rund 40 Abbildungen die Impulse aus der Präsentation im Kirchenraum, stellt historische Bezüge her und verweist auf spezifische architektonische Hintergründe sowie auf gesellschaftliche und religiöse Entwicklungen. Erhältlich ist es in der Ausstellung.

St. Gertrud, fertiggestellt im Jahr 1965, bietet mit ihrer Fassade aus Sicht- und Waschbeton sowie ihrer asymmetrischen Form den idealen Raum für die Aus-stellung. Darüber hinaus verkörpert der Ort selbst das Thema des veränderten Umgangs mit Kirchen: St. Gertrud ist seit 2010 unter anderem auch Veranstalt-ungsraum für Ausstellungen und Installationen.

Vor der Entscheidung über Abriss, Umbau und Neunutzung stehen viele Kirchen-gebäude. Wie gehen wir mit diesen Bauten um, die in architektonischer, reli-giöser, aber auch kultureller Weise außergewöhnliche Räume erzeugen? In NRW gibt es rund 6.000 christliche Kirchen, von denen in den nächsten Jahren etwa 30 Prozent leer stehen werden (Jörg Beste, Synergon 2018). Gründe dafür sind unter anderem der demografische Wandel und eine säkularisierte Gesellschaft. Leerstehende Kirchen ohne neue Nutzung werden langfristig aus unseren Dörfern, Städten und Wohnquartieren verschwinden. Der Umgang mit diesem christlichen Erbe hat sich zu einer gesellschaftlichen Diskussion entwickelt.

Mit der Ausstellung verbunden ist das Projekt „Zukunft – Kirchen – Räume. Kirchengebäude erhalten, anpassen und umnutzen“ von StadtBauKultur NRW, die Partner der Ausstellung ist. Das Ziel des Projekts ist, Kirchengemeinden und Initiativen zu unterstützen, die am Erhalt, dem Umbau oder der Umnutzung von Kirchengebäuden beteiligt sind. Zentral ist dabei die Website zukunft-kirchen-raeume.de. Dort werden realisierte Projekte aus ganz Nordrhein-Westfalen vorgestellt, Ansprechpersonen sowie Fachinformationen vermittelt.

 

Die Ausstellung „Fluch und Segen. Kirchen der Moderne“

Laufzeit: 9. September bis 10. November 2019

Ausstellungsort: sankt gertrud: kirche + kultur, Krefelder Straße 57, 50670 Köln

Öffnungszeiten: Mi – 12 bis 20 Uhr; Do bis So – 10 bis 18 Uhr; Eintritt frei

Kuratoren: Dr. Ursula Kleefisch-Jobst, Peter Köddermann, Dr. Karen Jung

Ausstellungsinszenierung und -gestaltung: simple

Ausstellungsmedien: simple

https://mai-nrw.de/fluchundsegen                        #fluchundsegen

 

Projektpartner

StadtBauKultur NRW, sankt gertrud: kirche + kultur, sensarama consulting

Das M:AI NRW wird gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Weitere Informationen

M:AI – Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW
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45886 Gelsenkirchen
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M:AI – Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW

Immer vor Ort, nie am selben
Das Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW, gegründet 2005, widmet sich aktuellen baukulturellen Themen, fokussiert auf Ausstellungen. Es hat keine eigenen Museumsräume, für jedes Thema entwickelt es ein eigenes Konzept – passend zum jeweiligen Ausstellungsort. Diese Form eines mobilen Museums ist weltweit einzigartig. Oft finden die Ausstellungen in Gebäuden statt, die einen direkten Bezug zum Thema haben – und das Ausstellungsgebäude wird so selbst zum anschaulichsten und größten Exponat. Die Projekte des M:AI sind Teil der Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020. https://mai-nrw.de