M:AI eröffnet “Fluch und Segen. Kirchen der Moderne” mit vielen Besuchern

Mit rund 200 Gästen hat das M:AI am Sonntag, 8.9., die Ausstellung “Fluch und Segen”. Kirchen der Moderne” eröffnet. In der Kirche St. Gertrud in Köln zeigt das Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW bis 10. November die Bedeutung von Kirchengebäuden in baulicher, liturgischer, sozialer und kultureller Hinsicht. Und es blickt auf die Herausforderung, wenn Kirchen vom Leerstand bedroht sind und ihnen eine andere Nutzung bevorsteht.

Effektvolle Inszenierung mit Licht, Farbe – und Duft

Mit der Agentur simple hat das M:AI den Kirchenraum von St. Gertrud mit Licht und Projektionen markant inszeniert. Dabei wird die Kirche im Agnesviertel, die Gottfried Böhm im Jahr 1962 entworfen hat, selbst zum begehbaren Exponat. Mit ihrer asymmetrische Form und ihrer Mischung aus Wasch- und Sichtbeton an Wänden und der gefalteten Decke ist St. Gertrud ein besonderer Bau. Sie steht außerdem stellvertretend für viele Kirchen der Moderne. Erläuterungen, Grafiken, Zitate, die an die rauen Wände projiziert werden, geben den Besuchern Impulse, über die besondere Raumgestaltung und -wirkung sowie die Ausstattungsstücke nachzudenken: Was macht die Kirchenräume so außergewöhnlich; was würde fehlen, wenn Kirchen aus dem Stadtbild verschwänden?

Unterhalb der Hauptausstellung erwarten die Besucher in der Krypta 18 Beispiele von Kirchen, die anders genutzt werden. In St. Elisabeth in Münster ist eine Sporthalle eingezogen, die Lukaskirche in Essen wurde zu Wohnungen, Büroräumen und einer Kindertagesstätte umgebaut. Der Grund für eine nicht-sakrale Nutzung ist vor allem der drohende Leerstand, weil Gemeinden schrumpfen. Die Projekte sind auf durchscheinenden, farbigen Folien aufgebracht – die Assoziation zu Kirchenfenster bewusst gewählt.

Sowohl im Kirchenraum als auch in der Krypta unterstützt außerdem eine dezente Beduftung das Besondere der Räume – der extra gemischte Duft soll so unterschwellig einen weiteren Sinn ansprechen – neben der Optik und dem Tastsinn.

Raumwirkung, Atmosphäre, Stimmung

Die Ausstellung lädt dazu ein, den Raum in Ruhe auf sich wirken zu lassen und der Atmosphäre nachzuspüren. Der dämmerige Raum, fast einer Höhle gleich, verändert sich im Tagesverlauf. Wer die Möglichkeit hat, zu unterschiedlichen Tageszeiten die Ausstellung zu besuchen, sollte dies unbedingt tun. Denn das Tageslicht verändert die Lichtstimmung in der Kirche ungemein. Auch die extra angestrahlte Decke kommt anders zur Geltung.

Neben der sinnlichen Erfahrung bietet ein Booklet die Möglichkeit, die aufgenommenen Impulse mit weiterführenden Informationen zu vertiefen. Darin geht es um den Kontext, in dem wichtige Entwicklungen für den Kirchenbau vollzogen wurden: architektonisch, liturgisch und gesellschaftlich. In der Krypta lässt sich außerdem die Website “Kirchen – Räume – Zukunft” besuchen. Das Projekt von “StadtBauKultur NRW” bietet Informationen zum Umgang mit Kirchen, die vom Leerstand bedroht sind, sowie Ansprechpartner und weitere Beispiele von umgebauten Kirchen.

Diskussion über die Zukunft von Kirchengebäuden

Im Rahmen der Eröffnung wurde das Thema der Umnutzung von Kirchen diskutiert. Dazu sprachen unter dem Titel “Was geschieht mit unseren Kirchen”: Staatssekretär Dr. Jan Heinisch (Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung NRW), der Kölner Weihbischof Rolf Steinhäuser, Architekt Prof. Paul Böhm und der Kölner Pfarrer Franz Meurer. Moderiert wurde das Gespräch von Melanie Wielens.

 

“Fluch und Segen. Kirchen der Moderne” ist bis zum 10. November in St. Gertrud (Krefelder Str. 57, 50670 Köln) zu sehen. Die Öffnungszeiten sind mittwochs von 12 bis 20 Uhr, donnerstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Text: Timo Klippstein

> Weitere Informationen zum Ausstellungsprojekt “Fluch und Segen. Kirchen der Moderne”