Mies im Westen. Geplant – gebaut – zerstört

Eine Ausstellungsserie zu Spuren von Ludwig Mies van der Rohe in Nordrhein-Westfalen.

Ludwig Mies van der Rohe wurde 1886 in Aachen geboren. Wenn er auch von Berlin und Chicago aus zu einem der einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts wurde, so ziehen sich seine Heimatverbundenheit und seine Aktivität in NRW doch wie ein roter Faden durch sein gesamtes Leben und Werk.

“Mies” pflegte hiesige Netzwerke und arbeitete an etwa einem Dutzend Projekte in Aachen, Essen und vor allem Krefeld. Viele davon wurden realisiert, manche blieben eine Vision, andere wurden im Krieg zerstört. Mies van der Rohes Wirken an den Orten Aachen, Krefeld und Essen zu vermitteln, ist Ziel des Ausstellungsprojekts »Mies im Westen«. Im Fokus stehen unter anderem Ausstellungen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen von Mai bis Juli 2019.

Studenten auf Spurensuche

An den nordrhein-westfälischen Projekten lässt sich eindrucksvoll der Lebensweg Mies van der Rohes aufzeigen – vom rheinischen Handwerkslehrling über den Bauhausdirektor bis hin zum international agierenden Architekten. Aber auch Entwicklungslinien innerhalb der Baukunst des 20. Jahrhunderts können verdeutlicht werden – vom Jugendstil zum International Style.

Sein weltweites Wirken war darüber hinaus so einflussreich, dass noch zu seinen Lebzeiten viele junge Kollegen sich mehr oder weniger stark an seinen Prinzipien orientierten. Sie schufen im Rheinland einige Bauten, die eindeutig sein Werk reflektieren, und in denen »Mies im Westen« seine merklichen Spuren hinterlassen hat.


Das Foto zeigt eine Skulptur, die den Architekten Ludwig Mies van der Rohe zeigt, wie er ein Architekturmodell in der Hand hält. Es ist ein Stegreifentwurf von Vanessa Hess im Rahmen des Ausstellungsprojekts "Mies im Westen".
Ein “Denkmal für Mies van der Rohe”: Stegreifentwurf von Vanessa Hess.

Architekturkommunikation

Die M:AI-Projektreihe »GrenzWertig« fordert seit 2016 Studierende der Architektur auf, ihre Auseinandersetzung mit der Architektur auch außerhalb der Fachwelt zu kommunizieren. Dieser Ansatz verlangt viel von den Beteiligten, weil er weit über das Studium oder die klassischen Lehraufträge an Hochschulen hinaus geht und immer auf den Ideen und dem Enthusiasmus der Studierenden basiert.

Zum 100. Jubiläum des »Bauhauses« hat das M:AI NRW Studierende der TH Köln, der TH Mittelhessen und der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft gewonnen, sich mit dem Werk von Ludwig Mies van der Rohe auseinanderzusetzen und gemeinsam ein Ausstellungsformat zu entwickeln.

Es ist einerseits ein Experiment für die Studentinnen und Studenten, Professoren und das M:AI. Andererseits bietet es für alle Beteiligten die Chance, die Reflektion von Studierenden zu einem baukulturellen Thema öffentlich zugänglich zu machen.


Vier Studentinnen halten ein Plaakt mit einer gesprayten Silhouette von Ludwig Mies van der Rohe in die Höhe und lachen und jubeln. Aufgenommen während der Jurysitzung zu den Interventionen von "Mies im Westen" an der Alanus Hochschule.
Foto: © Willem-Jan Beeren.
Jurysitzung zu den Interventionen von “Mies im Westen” an der Alanus Hochschule.
Foto: © Willem-Jan Beeren.

Alle Schritte hin zu einer Ausstellung – von der Themenfindung, inhaltlichen Erarbeitung und Strukturierung über die Szenografie und Darstellung bis zur Produktion, Bewerbung und Betreuung – gehen von den Studierenden aus. Begleitende Publikationen und Programme sind ebenfalls Resultat der studentischen Konzepte.

Aachen, Krefeld, Essen

Es entstehen drei Ausstellungen an drei unterschiedlichen Spielorten, die eng mit dem Lebensweg und den Schaffensperioden von Mies van der Rohe in NRW verknüpft sind: Aachen, Krefeld und Essen.

Zusammengeführt werden diese drei Ausstellungen im Herbst 2019 im Landeshaus des Landschaftsverbandes Rheinland in Köln zu einer großen Präsentation. Das Landeshaus am Kölner Rheinufer aus den späten 1950er Jahren ist ein charakteristisches Beispiel von den Architekten Eckhard Schulze-Fielitz, Ulrich von Altenstadt und Ernst von Rudloff für die Rezeption der architektonischen Prinzipien von Mies van der Rohe.


Text: Norbert Hanenberg (Prof. TH Mittelhessen), Daniel Lohmann (Prof. TH Köln), PEter Köddermann (Programmleiter M:AI NRW).

[Der Text ist dem aktuellen M:AI-Themenheft 2019 entnommen. Für das M:AI-Blog wurde redaktionell geringfügig bearbeitet. Anm. d. Red.]

> Weitere Informationen zum Ausstellungsprojekt “Mies im Westen”