Modern gedacht! Symbole der Nachkriegsarchitektur:
die Ausstellungseröffnung im Rückblick

“Da der größte Teil unserer gebauten Umwelt aus den drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg stammt, ist es eine unumgängliche Notwendigkeit sich mit diesen Bauten und den städtebaulichen Konzepten auseinanderzusetzen und sie für die Zukunft fit zu machen”, sagt Dr. Ursula Kleefisch-Jobst, Generalkuratorin des M:AI bei der Eröffnung der Ausstellung “Modern gedacht! Symbole der Nachkriegsarchitektur”. Ein Blick auf den Eröffnungsabend im Technischen Rathaus Bochum.

Mit der Ausstellung “Modern gedacht! Symbole der Nachkriegsarchitektur” zeigt das Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW herausragende Bauwerk der 1950er bis 1970er Jahre in Deutschland. Die Jahrzehnte des Wiederaufbaus seien eine unglaublich spannende Zeit des Aufbruchs gewesen, erläutert Ursula Kleefisch-Jobst den rund 150 Gästen im Technischen Rathaus in Bochum. Wirtschaftlicher Aufschwung, technische Entwicklungen und auch ein Glaube an Fortschritt und Wissenschaft sind Schlagworte einer Gesellschaft im Wandel. “Die Architektur, neue Konzepte in der Stadtplanung und ganz besonders neue Wohnquartiere sollen die bauliche Hülle für diese neue Gesellschaft”, so Ursula Kleefisch-Jobst.

Projektionen mit herausragenden Bauwerken

Die Ausstellung selbst erläutert die Ideen, Konzepte, Funktionen und technischen Möglichkeiten durch Projektionen und Texte. Dass Besucher der Ausstellung dieses Mal keine Modelle oder Pläne in der Ausstellung zu sehen bekommen, erklärt die Geschäftsführende Generalkuratorin: “Die Ausstellung ist nicht nur – wie immer beim M:AI – als Wanderausstellung konzipiert, sondern dieses Mal auch als eine sich fortschreibende Ausstellung. Die Ausstellung soll durch verschiedene Länder Europas wandern. Jedes Land kann die sechs Kapitel mit eigenen Beispielen und Analysen fortschreiben. So könnte am Ende eine kleine europäische Architekturgeschichte entstehen, deren Beispiele Unterschiede und doch viele Gemeinsamkeiten aufweisen werden.”

 

 

Neue Faszination für die Nachkriegsarchitektur

Heute faszinieren die Bauwerke von damals wieder. Das wird mit Blick in die sozialen Medien deutlich, aber auch durch Ausstellungen, Kampagnen und viele Veranstaltungen zum Thema. Fast könne man schon von einem kleinen Hype sprechen, meint Ursula Kleefisch-Jobst, insbesondere was die Bauten betreffe, die die Fachwelt dem Brutalismus zuzähle. Weltweit werden Informationen und vor allem aber Bilder dieser Bauwerke massenhaft verbreitet.

Eine Datensammlung im Internet, die mittlerweile fast 1.200 Bauwerke umfasst, war die Basis für die Ausstellung „SOS Brutalismus. Rettet die Betonmonster! “, die über die Jahreswende 2017/18 mit großer Resonanz im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt zu sehen war. Eine Ausstellung, die so vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. “Die Kollegen von der StadtBauKultur NRW haben im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres „Sharing heritage“ seit Anfang diesen Jahres mittlerweile 33 Bauten in NRW mit dem plakativen Ehrentitel und der Kampagne „Big Beautiful Buildings“ ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt.” Am Abend erhielt die Christuskirche in Bochum als 34. Bauwerk diesen Titel. Außerdem kooperierte die Ausstellung mit der internationalen Konferenz der TU Dortmund “Als die Zukunft gebaut wurde”.

Anregung für junge Architekten

Für das M:AI ist die Nachkriegsarchitektur ebenfalls keine Unbekannte: Bereits 2009 hatte es unter dem Titel „Architektur im Aufbruch“ eine Ausstellung gezeigt mit dem Fokus auf die Architektur der 1960er Jahre. Kleefisch-Jobst: “Interessanterweise kam damals das Interesse vor allem von Menschen, die mit Architekturen der 60er Jahre aufgewachsen waren, in Wohnquartieren wie Köln Chorweiler oder Wulfen lebten. Ihr Blick auf die Bauten dieser Zeit war überwiegend positiv oder zumindest sehr viel positiver als der einer Mehrheit, die die Architekturen der Zeit nicht nur skeptisch betrachtete, sondern rundweg ablehnte und als hässlich empfand. Heute scheint sich die Blickrichtung gedreht zu haben und die Außensicht vor allem einer jüngeren Generation auf die Bauten der 1960er und 1970er ist offener und positiver.

Außerdem scheinen viele bauliche Ideen der 1960er Jahre wieder aktuell: ob variable Grundrisse oder modulare Bauweisen. Bemerkenswert aber sei, so Ursula Kleefisch-Jobst, dass auch die Ästhetik dieser „Betonmonster“ vor allem auf die jüngeren Architekten, einen positiven Reiz ausübe. “Vielleicht verwundert es aber auf den zweiten Blick nicht so sehr, angesichts einer von immer gleichen mit Rasterfassaden dominierten Architektur. Das mag auch heute die Motivation sein, sich diesen Architekturen mit Neugier zu zuwenden.”

“Modern gedacht! Symbole der Nachkriegsarchitektur” ist bis Freitag, 16. November im Technischen Rathaus Bochum zu sehen. Der Eintritt ist frei.


Redaktion: tk.

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